Wie soll ich meinen Scrubber lagern? – Fakten und Mythen zur Kalk-Haltbarkeit

Wie lange bleibt ein befüllter Kalkbehälter zwischen zwei Tauchgängen nutzbar? Eine Frage die viele Rebreather-Taucher beschäftigt. Dieser Artikel erklärt, was bei der Zwischenlagerung von Atemkalk wirklich passiert und warum ein konservativer Umgang die sicherste Wahl ist.

JJ-CCR Scrubber Kanister für Tauchausrüstung auf weißem Hintergrund

Was sagen die Hersteller?

Es ist wohl die häufigste Frage, die mir als Rebreather Instructor gestellt wird. Und eigentlich gibt es darauf nur eine Antwort, die absolut sicher ist: Schau bitte in die Richtlinien deines Herstellers.

Die Standzeit für einen Kalkbehälter wird von den Herstellern durch standardisierte Tests festgelegt (basierend auf der Norm EN14143). Diese Tests finden unter Extrembedingungen statt – oft bei 4 °C Wassertemperatur und einer hohen CO2-Abgabe, die einen schwer arbeitenden Taucher simuliert. An diese Grenzwerte müssen wir uns halten und sie im Idealfall sogar konservativ auslegen.

Über die Lagerung zwischen den Tauchgängen wird in den Handbüchern meist wenig gesagt. Zu Recht, denn es gibt kaum gesicherte Tests dazu – und ohne verlässliche Daten gibt es keine Standards. In diesem Artikel schauen wir uns an, was bei der Lagerung passiert und warum „gut gemeint“ nicht immer „sicher“ bedeutet.

Die Unsicherheit der Zwischenlagerung

Das Problem bei der Lagerung deines Kalkbehälters sind die unzähligen Variablen. Es gibt Versuchsreihen, die einen Eindruck vermitteln, wie unvorhersehbar sich die Chemie verhalten kann. In einem dieser Tests wurden fünf baugleiche, verpackte Kalkbehälter über 28 Tage gelagert. Obwohl alle vermeintlich gleich behandelt wurden, waren die Unterschiede in der Restkapazität am Ende riesig.

Warum ist das so? Es liegt an Faktoren, die du kaum kontrollieren kannst:

  • War der Behälter wirklich zu 100 % luftdicht verpackt?
  • Warst du beim Einpacken sorgfältig genug oder hatte die Verpackung einen unbemerkten Riss?
  • Wie viel Feuchtigkeit war nach dem ersten Tauchgang noch im Kalk gebunden?

Da Atemkalk (Soda Lime) eine gewisse Eigenfeuchtigkeit benötigt, um die chemische Reaktion mit CO2 überhaupt eingehen zu können, führt das Austrocknen dazu, dass der Kalk seine Wirksamkeit verliert – selbst wenn du rein rechnerisch noch „Zeit-Guthaben“ hättest.

Warum wir konservativ sein müssen

Die Ergebnisse solcher Tests zeigen deutlich: Wir können keine 100 % verlässliche Aussage über die Sicherheit von gelagertem Kalk treffen. Wenn du deinen Kalkbehälter nach einer Pause wieder benutzt, begibst du dich in eine statistische Grauzone.

Eins ist absolut sicher: Benutze niemals einen unverpackten Kalkbehälter wieder, der längere Zeit offen stand. Die Raumluft reicht bereits aus, um den Kalk zu sättigen oder auszutrocknen. Die Gefahr ist hierbei nicht nur die totale Erschöpfung des Materials, sondern das sogenannte „Channeling„. Dabei sucht sich das Gas Wege durch den Kalk, ohne dass das CO2 gebunden wird. Das ist besonders tückisch, weil deine Sensoren das im Vorfeld nicht messen können.

Mein Rat für deine Praxis

Vielleicht ist die beste Strategie die einfachste: Tauch den Kalkbehälter recht zeitnah durch. Genau deshalb hast du dir das Gerät ja schließlich gekauft. Wenn du weißt, dass du in den nächsten Tagen nicht ins Wasser gehst, ist es oft klüger, den Kalk zu entsorgen.

Rebreather-Tauchen erfordert Präzision und Sorgfalt. Sei bei deinem Scrubber lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu nachlässig. Deine Sicherheit unter Wasser hängt direkt von der Verlässlichkeit dieser chemischen Reaktion ab.

Hier findest du die Fakten und technischen Hintergründe, auf die ich mich beziehe:

  • Molecular Products (Hersteller von Sofnolime): Technische Datenblätter zu Feuchtigkeit und Lagerung Hier wird erklärt, warum die Eigenfeuchtigkeit von 14–20 % für die Reaktion kritisch ist.
  • NCBI/PubMed – Peer-reviewed Studie: Storage of Partly Used CO₂ Absorbent Canisters Wissenschaftliche Untersuchung zur Auswirkung offener vs. vakuumversiegelter Lagerung über 28 Tage auf die Restkapazität von Kalkbehältern (188 vs. 241 Minuten Standzeit bis zum CO₂-Durchbruch).
  • ScubaBoard – Community-Diskussion zur Scrubber-Lagerung: Storing Partially Used Sorb Erfahrungsberichte und Empfehlungen erfahrener Rebreather-Taucher zur Lagerungsdauer und Versiegelung von teilweise verbrauchtem Atemkalk.
  • DAN (Divers Alert Network): Your Lungs and Diving – Alert Diver Hintergründe zu den physiologischen Risiken bei Fehlfunktionen des Scrubbers: Hypercapnie, Channeling und der Zusammenhang zwischen erhöhtem CO₂ und CNS-Sauerstofftoxizität.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Zertifizierung oder das Studium deines spezifischen Gerätehandbuchs.